Ronda Iberia – eine Umrundung der iberischen Halbinsel – die Nachlese

Ronda Iberia – eine Umrundung der iberischen Halbinsel – die Nachlese

Ich habe im Juni/Juli eine 4-wöchige 8000 Km Solo Tour einmal um die iberische Halbinsel herum gemacht und in fb und in diesem Blog mehr oder weniger täglich darüber berichtet. Hier habe ich nun für alle, die das interessiert, eine Zusammenfassung der darin enthaltenen Erfahrungen, Tipps und Hinweise aufgeschrieben.

Es gibt darin folgende Kapitel:

  1. Ronda Iberia Video
  2. Touring in Spanien
  3. Touring in Portugal
  4. Hotel Tipps
  5. Zwei Touren Tipps
  6. Allgemeines

1. Ronda Iberia Video

Ich nutze eine Dashcam (Goluk T1), die eine permanente Videoaufzeichnung macht und einen separaten Remote-Auslöser dafür, der bei Bedarf kleine Video Sequenzen aus dem Stream zusätzlich separat abspeichert. Dadurch habe ich ohne weiteres Zutun eine Sammlung der schönsten, interessantesten oder lustigsten Szenen von unterwegs beisammen, deren Highlights ich in folgendem Ronda-Iberia YouTube Video zusammengefasst habe.

YouTube Link:  https://youtu.be/3bdR-jb4GiM

2. Touring in Spanien 

Die Straßen – groß wie klein – sind in Spanien zumeist in einem recht guten Zustand und sehr viel leichter und reifenschonender zu befahren, als noch in Frankreich, wo der Straßenbelag meiner Erfahrung nach oft viel Split hat und/oder ein echter Reifenfresser ist.

Spanien hat viele dieser sogenannten „Autovia“, das sind sehr Autobahn-artige Schnellstraßen (vierspurig, kreuzungsfrei, 120 Km/h). Sie sind gebührenfrei und auf guten Karten farblich von den „richtigen“, gebührenpflichtigen Autobahnen zu unterscheiden. Man muss die nicht mögen/nehmen, aber man kommt dort gut vorwärts und hat nicht diesen Nerv mit den Zahlstellen.

Mein Garmin Navi war noch der Meinung, das Tempolimit auf Landstraßen sei in Spanien 100 Km/h, was aber nicht stimmt, es sind nur 90 Km/h, was immer noch besser ist, als die 80 Km/h in Frankreich.

Abseits der ganz großen Touristenströme. -städte (Costa Brava, Barcelona, etc) ist Spanien immer noch *sehr* billig. Ein Bier, ein gutes Essen, ja, auch der Sprit, sind hier deutlich günstiger, als nördlich der Pyrenäen oder bei uns und kosten teilweise weniger als die Hälfte unserer Preise. Normales, gezapftes Bier, manchmal nur 1,- € ! Das gilt auch für Hotels außerhalb der großen Städte.

Essen in Spanien: Sie haben diese „Tapas“ – kleine Portionen verschiedenster kalter und warmer Speisen für ganz kleines Geld, die fast jede Kneipe ganztägig anbietet und die in aller Regel sehr lecker sind. Überhaupt Essen, abends nicht wundern, wenn man ein Restaurant sucht und nur Kneipen findet, wo gesessen, gequatscht und getrunken wird. Die essen auch, aber einfach viel später als wir – gerne mal erst so um 22:00 h…

3. Touring in Portugal

Viel des oben über Spanien gesagten gilt auch für Portugal. Die Straßen sind nicht ganz so gut, wie in Spanien, die Autovia gibt es so nicht, aber alles in allem ist die Lage ähnlich.

Die Preise sind allgemein in Portugal übrigens ähnlich, wie in Spanien, nur die Spritpreise sind auf unserem Niveau. Der Süden und das Alentejo sind – bis auf die komplett zugebaute Algarve – eher dünn besiedelt, erst ab der Höhe von Lissabon ist die Besiedlung dichter, aber überall gibt es kleine und kleinste Straßen und einsame Gegenden, die sich zu erobern lohnt.

Was in Portugal komplett daneben ging, war das Bezahlen auf den wenigen Autobahnstrecken, die ich eher unfreiwillig genommen habe. Gleich beim Grenzübertritt nach Portugal kann man ungewollt auf einer Autobahn landen und bevor man wieder runterkommt, gibt es schon so eine sonderbare Zahlstelle. An der werden Touristen auf besondere Spuren verwiesen und dann soll/muss man sein Fahrzeug über das per Kamera aufgenommene Nummernschild zusammen mit einer Kreditkarte registrieren. So werden dann bei späterer AB Nutzung die Gebühren automatisch von der KK abgezogen. Das Verfahren fand ich schon mal ziemlich besch… und intransparent – ich werden gerne erst mal gefragt, bevor jemand mein Geld irgendwo abhebt. De facto war es aber so, dass es drei Spuren für Touristen gab, von denen zwei ausdrücklich per Schild nicht für Motorräder geeignet/gedacht waren. Ich nahm also die Dritte und musste feststellen, dass hier rein gar nichts funktionierte! Es gab keine Kamera, die von hinten das Nummernschild registriert hätte, sondern nur von vorne. Das Verfahren am Eingabegerät bot keinerlei Möglichkeit, sich anderweitig zu registrieren und so bin ich am Ende unverrichteter Dinge und schulterzuckend weitergefahren, ohne Registrierung und etwas in Sorge, was nun auf mich zukäme. Eine Schranke gab es nicht, oder nur eine halbe…

Später, bei der unfreiwilligen Autobahn-Durchfahrt durch Lissabon, die eigentlich eine Landstraßen-Umfahrung werden sollte, kam ich an eine Zahlstelle und ahnte Übles. Die Zeichen und Symbole über den einzelnen Spuren konnte ich nicht wirklich interpretieren und hab dann einfach willkürlich eine genommen, die für mich nach manuellem Bezahlen aussah. Aber ich glaube, Cash bezahlen gibt es in Portugal gar nicht, oder nicht immer. Da stand ich nun, konnte nicht vor und zurück und auch nicht bezahlen, weder Cash noch mir Karte, es gab einfach gar keine Option, kein Bedienfeld. Dann habe ich mal wieder den Weg der Vorwärtsverteidigung gewählt und bin einfach weitergefahren. Auch hier gab es keine Schranke, weil es wohl eine Durchfahrt-Spur war. Das gab dann zwar einen Riesen Alarm mit Sirene und was weiß ich, aber wie das so ist, mit solchen Alarmen, die sind zwar laut, aber wirkungslos, jedenfalls in diesem Fall. Mir ist niemand hinterhergekommen und ich habe auch bis jetzt (2 Jahre) noch nichts aus Portugal gehört. Vielleicht kommt noch was, vielleicht nicht, wir werden sehen…

4. Hotel Tipps

Ich habe die Zielorte und damit die Hotels ja immer erst am Tag nach Lage der letzten Routenplanung ausgesucht. Am späteren Nachmittag, bei einer Pause, habe ich über booking.com einfach am Zielort ein Hotel nach den Kriterien „günstige EZ“, „Parkplatz“ und „gute Bewertung und Lage“ ausgesucht und das hat so gut funktioniert, dass ich auf der ganzen Reise nur zwei bis drei Hotels hatte, die mehr so „ok“ waren, wo ich aber nicht mehr hinfahren würde, alles andere waren recht angenehme bis super tolle und richtig schöne Hotels. Die besten davon will ich euch jetzt hier gerne empfehlen (nur eines davon hat für EZ/Frstck mehr als 50,- € gekostet):

In Figueres ist in einer kleinen Seitenstraße sehr nah am Stadtkern das kleine, alte Hotel „Los Angeles“. Die Zimmer sind klein aber ok, aber sie haben eine eigene Garage im Haus, die für Mopeds nur 5,- € die Nacht kostet. Man kommt dann zu Fuß in wenigen Schritten in die tolle Altstadt von Figueres.

Im Andalusien habe ich die großen und touristischen Städte bis auf gewisse Ausnahmen gemieden. Ich war dafür drei Nächte im westlichen Andalusien im Tugasa Hotel „Las Truchas“ im kleinen Örtchen „El Bosque“. Das ist ein älteres, unmodernes, aber gepflegtes, in seiner ganzen Anmutung sehr spanisches Hotel in einer großzügigen, schönen Anlage mit sehr schönem Speisesaal und Kamin-Foyer und Sonnen-Terrasse und kleinem Pool und großem Parkplatz, am Rande des kleinen, netten Ortes, der auch einige einfache Restaurants hat. Für mich war es das ideale entspannte und ruhige Basis-Hotel für das westlichen Andalusien.

Die allgemein bekannten Orte der Algarve bzw. Küste in Südportugal habe ich eigentlich komplett gemieden, da ich sie nicht schön finde und habe per Zufall ein absolutes Schmuckstück gefunden, das im Hinterland nördlich von Faro und von diesem nur 10 Kilometer entfernt im Örtchen Estoi liegt. Die Hotel/Pension „Casa de Estoi“ ist ein unglaublich bemerkenswertes und schönes und warmherzig geführtes Schmuckstück, das ich jedem nur empfehlen kann. Wer mehr darüber wissen will, sollte die reichhaltigen und eindeutigen Beurteilungen in Booking.com oder TripAdvisor befragen.

Im nördlichen Portugal habe ich Lissabon gar nicht und Porto nur eine kurze Nacht besucht, einfach weil ich da schon mehrere Male war und weil ich im Laufe der Zeit immer mehr nach ruhigen, kleinen Orten gesucht habe – nicht zu klein – ein paar Restaurants zur Auswahl sollten es schon sein – aber bestimmt nichts großes mit Trubel und Verkehr und Krach und Stau… Der Ort Coimbra weicht nun allerdings von diesem Schema deutlich ab, er ist gar nicht klein, sondern eine weithin respektierte Universitätsstadt, aber dennoch trifft er das Schema in dem Sinne, als er ziemlich wenig von den Touristenströmen heimgesucht wird, die die anderen beiden Städte geradezu unangenehm werden lassen können. Ich erwähne das alles nur, weil ich auch hier ein tolles Hotel gefunden habe und wieder nur per Zufall… Das Hotel Larbelo ist wieder so ein alter, ehemals grandioser Kasten, nicht groß renoviert, trotzdem in Schuss und sauber, immer noch charmant, aber nicht mehr teuer – genau solche liebe ich. Es liegt unschlagbar super optimal am Rande der Altstadt, direkt am Fluss, am großen zentralen Platz „Largo de Portagem“. Ich habe eher zufällig nicht vorher gebucht, sondern direkt im Hotel gefragt und so nur 30,- € für das EZ bezahlt – glaubt mir, es ist mehr wert… Mopeds kann man übrigens direkt am Hotel auf dem Gehweg des großen Platzes parken, machen hier alle und scheint niemand zu stören… Die Altstadt von Coimbra ist wie Lissabon an den schönsten Stellen, minus die ganzen Touristen…

Solltet ihr die spanische Nordküste entlang fahren, gibt es im perfekt klein/großen Ort Navia das Hotel Arias, das eigentlich nach 3 bis 4 Sternen aussieht, wenn nicht mehr, und auch ein passables Business Hotel abgeben würde, das aber dennoch ebenfalls unter 50,- € für’s EZ zu haben war, mit Parkplatz versteht sich.

Das letzte Hotel, das ich euch ans Herz legen möchte, ist das einzige, das etwas mehr als 50,- € für’s EZ gekostet hat. Es ist das Hotel Rural Loizu in Auritz an der spanischen N-135, die dort schon hoch in den Pyrenäen nach Frankreich rüber geht. Ich kann gar nicht genau sagen warum, aber der Ort und insbesondere das Hotel haben etwas ungeheuer entspanntes und stimmiges…

5. Zwei Touren Tipps für Spanien und Portugal

 Hier nun zwei Routen etwas abseits der üblichen Pfade, die mir besonders gut gefallen haben (jeweils mit Links zu den Relive Videos):

 Nord-Östliches Spanien

Die Route ging von Figueres über Banyoles, dann auf die Gi 524, deren Anfang allerdings kurz als Fitness Parcours mit Tempolimit 30 ausgelegt ist, Richtung Olot, dort auf die N-260 bis Ripoll, Dann in einem nördlichen Bogen über die Gi 401 und 402 und C-16 nach Berga. Dann weiter westlich über St. Llorenc und Coll de Nargo nach Tremp. Wer bei dieser Strecke nicht ins Schwärmen kommt, dem ist nicht zu helfen… Zum Abschluss von Tremp stramm nach Süden auf der C-12 oder C-13 (letztere ist kurviger) nach Balaguer, und auch hier ist es zwar eine flottere, größere Landstraße, aber ebenfalls eine absolut spektakuläre Landschaft.

Und was soll ich sagen: 350 Km, ca. 6 Std. reine Fahrtzeit und davon mind. 80 % einfach nur ein Traum. Wer braucht da noch die Ardeche??? Richtig tolle Straßen verschiedener Größe, alle in gutem bis sehr gutem Zustand, kaum Verkehr – selbst am Sonntag – und durch eine Landschaft, dass man niederknien möchte, wäre da nicht der Lenker, und der Gasgriff, und die Bremse… So eine endlos phantastische Strecke bin ich noch NIE gefahren…

Und hier das Relive Video dazu mit genauer, Zoom-fähiger Karte: https://www.relive.cc/view/rt10005851734

Das südliche Hinterland von Porto

Diese Route führte in einem großen Bogen von Coimbra nach Porto durch die östlichen Berge im Nationalpark Serra da Estrala entlang der Städte Gois, Seia, dann unbedingt den östlichen Bogen mit Gouveia mitnehmen, da geht’s richtig hoch in die Berge und die Sicht ist umwerfend, dann ein Transfer in die nächste Bergregion via Mangualde und Viseu, von wo es viele schöne alternative Strecken nach Porto gibt.

Und hier das Relive Video dazu mit genauer, Zoom-fähiger Karte: https://www.relive.cc/view/rt10006181550

6. Allgemeines

Gepäck – Man packt *immer* zu viel ein! Ich jedenfalls. Es war meine erste richtig, richtig große Tour (4 Wochen, 8000 Km!) und ich hatte zu den beiden Koffern und dem großen Top Case der RT noch eine große Gepäckrolle dabei, mit Ersatzklamotten aller Art, u.a. ein Mesh-Sommeranzug, eine Moped-Jeans und ein weiteres Paar Moped-Stiefel – alles Quatsch! Ab etwa der Halbzeit, hatte ich die ganzen Klamotten und Utensilien so verteilt, dass ich diese Rolle am Ende gar nicht mehr aufgemacht habe. Nur Auf- und Abladen musste ich sie natürlich jeden Tag…

Auch Wäsche hatte ich viel zu viel dabei. Nach der Halbzeit war ich einmal im Waschsalon, was ja nun wirklich kein Problem ist, und so war auch ein Großteil meiner Klamotten und Wäsche völlig überflüssig… Man braucht eine gute Moped Kluft (ich bin von meiner Reusch TX IV Kombi nach wie vor begeistert!), Stiefel, 1 bis 2 Paar Handschuhe und natürlich eine Regenkombi plus Handschuh-Überzieher, zwei, drei T-Shirts, Polo-Shirts, Hemden, eine kurze, eine lange Hose, einen warmen Irgendwas zum Drüberziehen, oder was immer für einen das Richtige ist, das Nötigste an Wäsche – und mehr nicht – kleines Gepäck eben…

Wechselnde Hotels – ich hatte vorher etwas Sorge, dass es mit der Zeit nervig werden würde, fast jede Nacht in einem anderen Hotel/Zimmer/Bett zu schlafen. Erstaunlicherweise war das Gegenteil der Fall: man gewöhnt sich daran! Also eben nicht an ein bestimmtes Hotel/Zimmer/Bett, aber dann eben an die ständige Abwechslung. Am Ende hat es mir überhaupt nichts mehr ausgemacht, jeden Tag in ein neues Hotel/Zimmer/Bett zu kommen und alle Abläufe beim Ankommen und Abreisen waren so eingespielt und routiniert, dass ich mich überall sofort wohl und zu Hause gefühlt habe – ein überraschender und erstaunlicher Effekt.

Alleine Reisen – man kann eine solch große Tour sicher auch mit kleinen, eingespielten Gruppen oder als Paar durchziehen, aber für mich war sie nur alleine vorstellbar. Diese permanenten kleinen und großen Entscheidungen jedes Mal auch noch mit irgendwem abzustimmen, das wäre mir ein Gräuel gewesen. So hat es mich immer nur ein Lächeln gekostet, den Plan vom Morgen je nach Wetterlage, Straßenzustand, Befindlichkeit schon mittags spontan über den Haufen zu werfen und am Nachmittag gleich nochmal… Ich habe mein abendliches Hotel selten vor 16:00, 17:00 Uhr ausgewählt und gebucht, einfach weil ich nicht früher wusste, wo ich wohl sein würde. Und genau so musste es für mich sein…! Diese Ego-Strategie bedeutet zwar auch, dass man dann meist alleine ist, beim Jubeln, beim Jammern, beim Abendessen, und das ist sicher nicht jedermanns Sache, aber ich habe es sehr genossen. Hinzu kommt, dass man natürlich je nach Temperament unterwegs auch Leute kennen lernt und am Ende nur so alleine ist, wie man es möchte.

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